Sokratische Methode des Fragens
Menschen können argumentieren, prüfen und verwerfen Ideen, um Probleme zu lösen. Es ist besser Ideen sterben zu lassen als Menschen für gescheiterte Ideen.
An diesem Grundsatz orientiert sich Sokrates-Ein Forum kritischer Rationalisten e.V. Wir orientieren uns am Sokratischen Ansatz des kritischen Fragens und am kritischen Rationalismus von Karl Popper: Wir prüfen die Datenlage, formulieren Hypothesen, suchen aktiv nach Gegenargumenten (Falsifikation). Wir versuchen aus Irrtümern zu lernen. Erst daraus ergibt sich eine evidenzbasierte Analyse und damit ein Erkenntnisfortschritt. Wir fanden uns während der Corona-/COVID-19-Pandemie zusammen. Einer unserer Schwerpunkte ist die wissenschaftliche Aufarbeitung der Pandemiepolitik. Dazu veröffentlichen wir wissenschaftliche Publikationen, Stellungnahmen und Analysen zu Themen wie Aerosole, Lufthygiene und Ansteckungsrisiken durch Viren. Wir beteiligen uns an den Debatten der Enquete-Kommissionen, an Untersuchungsausschüssen und parlamentarischen Anhörungen zur Pandemie-Aufarbeitung. Herzlich willkommen!
Die aktuellen wissenschaftlichen Publikationen
Kritisch-rationale Bewertung der Impfungen gegen Influenza und Covid-19
Autorengruppe von „SOKRATES – Ein Forum kritischer Rationalisten e.V.“ fordert differenzierte
Impfempfehlungen, strengere Evidenzmaßstäbe und bessere Langzeitdaten
Die Autorengruppe plädiert für eine risikogruppenbezogene Bewertung von Impfempfehlungen.
Impfungen sind ein wichtiges Instrument zum Schutz vor schweren Infektionserkrankungen. Der Nutzen
entscheidet sich an drei Kriterien: Verhindern sie schwere Krankheitsverläufe? Werden Todesfälle
relevant reduziert? Wird die Weitergabe von Infektionen verhindert oder wirksam gesenkt?
Zusammengefasst: Impfpolitik muss evidenzbasiert, risikogruppenspezifisch und transparent sein. Nicht
die pauschale Empfehlung, sondern die präzise Abwägung von Nutzen, Risiken und aktueller
epidemiologischer Lage müssen im Zentrum stehen.
Über die Autorengruppe:
Die Kurzbewertung wurde von einer Autorengruppe aus dem Umfeld von SOKRATES – Ein Forum kritischer
Rationalisten e.V. erstellt. Der Verein beschreibt sich als Initiative, die Datenlagen prüft, Hypothesen
formuliert und aktiv nach Gegenargumenten sucht. Auf der Website werden unter anderem Prof. Dr. med.
Dieter Köhler, Dr. med. Thomas Voshaar und Dr. rer. nat. Gerhard Scheuch in leitenden Funktionen
genannt.
Schatten aus Wuhan - Die Bergamo-Apokalypse: Hypothesen zur Ursache und Lehren für zukünftige Pandemien
Das Sokratesforum hat sich mit Fragen rund um die etwa zehnfach erhöhte Letalität in Bergamo im März 2020 näher beschäftigt, nachdem die Zahlen vor kurzem bestätigt wurden. Ein Letalitätspeak trat gleichzeitig in nur wenigen anderen Regionen in Europa auf. Da wir uns seit Beginn der Pandemie mit den zahleichen publizierten wissenschaftlichen Daten beschäftigen, kommen wir nun zu einem Verständnis, das es erlaubt aus dem Bergamo Phänomen interessante Schlüsse für zukünftige Pandemien zu ziehen.
Forderung einer Enquete-Kommission zur systematischen Aufarbeitung der Pandemie
Es wird Zeit!
Warum wir endlich eine Enquetekommission des Bundestages zur Pandemiepolitik brauchen.
Lehren aus der Pandemie
Wegen der aktuellen Aufarbeitung der Coronapandemie möchten wir auf unser im Januar 2023 erstelltes Papier hinweisen, das schon damals alle wesentlichen Punkte behandelte. Wir haben es noch einmal durchgesehen, ob sich inzwischen relevante wissenschaftliche Erkenntnisse ergeben haben, die unsere Kernaussagen abändern. Das war nicht der Fall.
Das zunehmende Verschwinden der erkenntnistheoretischen Methoden aus der Wissenschaft – Ursache vieler politischer Probleme
Das Paper „Erkenntnistheoretische Grundlagen und ihre Beachtung in der heutigen Wissenschaft“ besteht aus drei Teilen:
Teil I: Erkenntnistheoretische Grundlagen
Teil II: Erkenntnistheoretische Problemstellen von Beobachtungsstudien
Teil III: Erkenntnistheoretische Problemstellen bei der Überprüfung von Hypothesen
Pressemitteilungen und öffentliche Beiträge
Acht Antworten auf acht Fragen: Herr Hamann recherchiere für ein Portal namens „Volksverpetzer“ über einen Artikel, der in der NZZ am 9. Dezember 2025 erschienen ist
Zum PDFAm 10. Januar diesen Jahres erreichte die Sokrates Gruppe um 21:28 Uhr eine Mail von Herrn Hamann. Er recherchiere für ein Portal namens „Volksverpetzer“ über diesen Artikel, der in der NZZ vom 9. Dezember 2025 erschienen ist.
Sokratesmitglied Gerd Antes als Sachverständiger in der Enquetekommission
Klarheit schaffen
In seinem Eingangsstatement als Sachverständiger in der Enquetekommission formuliert Gerd Antes die Voraussetzungen einer wissenschaftlich fundierten Aufarbeitung der politischen Maßnahmen in der Pandemie. Wir dokumentieren seine Stellungnahme zur Versachlichung einer bisher gescheiterten Debatte.
Grundsätzlich
Während der Pandemie und auch jetzt in der Aufarbeitung werden Grundprinzipien des methodischen Weges von Daten zu Wissen nicht angewendet und tauchen damit auch in der öffentlichen Debatte nicht auf. Das möchte ich in der verfügbaren Zeit kurz skizzieren und die daraus folgenden Konsequenzen formulieren.
Wir können die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen nur dann beurteilen, wenn wir wissen, wie sich die Realität ohne diese Maßnahmen entwickelt hätte. Dieses kontrafaktische Denken – der Vergleich mit einem geeigneten Kontrollszenario – ist das Fundament jeder kausalen Bewertung. Ohne einen solchen Vergleich lassen sich Wirkungen nicht belegen, sondern nur behaupten.
In solchen Vergleichen müssen Maßnahmen grundsätzlich im Dreiklang von Nutzen, Schaden und Kosten bewerten werden. Es reicht nicht, allein auf verhinderte Infektionen oder Todesfälle zu schauen; wir müssen zugleich die unmittelbaren und mittelbaren Schäden (medizinisch, sozial, psychisch, wirtschaftlich) sowie die finanziellen und gesellschaftlichen Kosten systematisch erfassen. Dieses Grundprinzip der Technikfolgenabschätzung – im Gesundheitswesen als HTA (Health Technology Assessment) bezeichnet - wird seit ca. 1960 entwickelt und schafft einen klaren Rahmen für Bewertungen.
Selbst wenn dieser Überbau richtig berücksichtigt wird, gibt es eine Reihe von “handwerklichen“ Fehlern, die sich durch die gesamte Zeit zogen und zu massiven Verfälschungen und falschen “Wahrheiten“ führten und noch führen. Zu nennen sind hier in erster Linie:
1. Die massive und alle anderen Faktoren schlagende Abhängigkeit vom Alter verbietet es, Betrachtungen und Auswertungen ohne explizite Berücksichtigung vom Alter durchzuführen (sogenannte Stratifizierung). Relevant wird das unter anderem beim sogenannten Basis-Reproduktionsfaktor (kleiner, gleich, größer als 1). Daraus Maßnehmen für die ganze Bevölkerung abzuleiten, ist mehr als fehleranfällig.
2. Thema war und ist immer wieder “Datenmangel“. Ernst genommen wurde das jedoch nie, sondern Beschreibungen und Bewertungen wurden größtenteils dichotomisiert, d. h. auf 0/1 oder schwarz/weiss reduziert. Das bedeutet den vorsätzlichen Verzicht auf enorme Information und ist extrem fehleranfällig. Vor allem bedeutet es Verzicht auf Daten für die immer wieder geforderte Verhältnismäßigkeit, die ja u. a. für die Rechtsprechung fundamentale Bedeutung hat. . Es war allerdings talkshowgerecht, muss man sagen.
3. Gerade bei der Einschätzung und Bewertung von Maßnahmen behandelt man Faktoren, die extrem komplex voneinander abhängig sind und deshalb mit multivariaten Verfahren jeweils als einer von vielen betrachtet werden müssen. Faktoren einzeln zu betrachten ist fachlich falsch. Dadurch kann die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen außerordentlich falsch eingeschätzt werden. Ein Beispiel dafür ist das Maßnahmenbündel eines Lockdowns und daraus einzeln eine nächtliche Ausgangsperre.
4. Empirisch ermittelte Aussagen müssen mit einer Einschätzung der Sicherheit/Unsicherheit der Aussagen versehen sein, bzw. das Vertrauen in eine Aussage gehört zur Aussage selbst. Eine der chronischen Schwächen: „We are unable to admit we simply don’t know bezeichnet diese Misere. Größtes Misstrauen ist angesagt bei Aussagen wie “der Lockdown hat 16000 Todesfälle verhindert“.
Das sind 4 wesentliche Beispiele, zu denen viele weitere genannt werden können. Das verbindende Element dabei ist die systematische Ignorierung von Wissenschaftsprinzipien, die seit langem etabliert sind und angewendet werden müssen.
Eine besonders unrühmliche Rolle spielt dabei das sogenannte „Präventionsparadoxon“.
Das Phänomen gibt es seit langer Zeit, in der Pandemie bot es sich allerdings geradezu an, damit solche kausalen Behauptungen zu belegen. Das Ausbleiben einer Katastrophe wurde als Beleg für die Wirksamkeit der Maßnahmen gedeutet und sinkende Krankenhauszahlen geradezu als Beweis für ihren Erfolg präsentiert. Damit wurde eine wissenschaftlich nicht haltbare Logik etabliert: Wenn die Zahlen steigen, war es die Pandemie; wenn sie fallen, war es die Maßnahme; und wenn sie niedrig bleiben, war der Erfolg nur nicht sichtbar. Aus epidemiologischer Sicht ist diese Argumentation unzulässig, weil sie den notwendigen Vergleich durch eine Behauptung ersetzt.
Erst wenn diese methodische Grundlagen ernst genommen werden, können belastbare Aussagen über Nutzen oder Schaden einzelner Interventionen getroffen werden.
Zu guter Letzt: Die Nichtnutzung 3er völlig unterschiedlicher Strukturen, in denen diese methodischen Prinzipien nicht ignoriert werden:
1. Die nationale Kohorte (NAKO). 200000 Teilnehmer, öffentlich finanziert, gegen Dunkelziffern das richtige Mittel, wurde nie genutzt.
2. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlicheit im Gesundheitswesen (IQWiG). Methodisch wohl die geeignetste Institution in Deutschland). Kein Auftrag vom BMG, obwohl das BMG dazu gesetzlich befugt ist.
3. Der Pandemieplan beim RKI (Teil 1, 72 Seiten, Strukturen und Maßnahmen, Teil 2, Wissenschaftlich Grundlagen, 221 Seiten)
Es darf nicht darum gehen, nachträglich Narrative zu bestätigen, sondern anhand solider Kriterien zu prüfen, was tatsächlich gewirkt hat und was fälschlich als Wirkung dargestellt wurde. Nur mit dieser Klarheit wird die Kommission in der Lage sein, aus der Pandemie zu lernen, so dass zukünftige Entscheidungen besser gefällt und begründet werden können.
Hier der Link zur Sitzung: Vorsorge, Krisenpläne und Frühwarnsysteme
Interview aus dem Cicero mit Gerd Antes
Pandemien verstehen: Was Bergamos Todeszahlen für die Zukunft lehren
Beitrag in der Bayrischen Statszeitung, vom 16.12.2025
Sterbedaten aus Bergamo 2020 zeigten eine bis zu zehnfache Übersterblichkeit bei älteren Menschen. Eine neue Hypothese erklärt, warum die Sterberate ebenso schnell wieder abfiel – und plädiert für eine systematische Aufarbeitung
Stellungnahmen, wissenschaftliche
Beiträge und Videos
Keiner stirbt durch Feinstaub und Stickoxide 05.2026 von Dieter Köhler
Zum PowerPoint VortragDie Welt ist voller Risiken. Wer freute sich nicht, wenn wenigstens eine wegfiele? Leider ist das Gegenteil eingetreten: Diese Erkenntnis versetzt viele Zeitgenossen fast schon in Panik. Denn das Eingeständnis eines Irrtums ist noch schlimmer als wegfallende Risiken. Für diesen Mechanismus gibt es historische Beispiele. So wurden viele Frauen im Wochenbett gerettet, weil sich die Ärzte vorher die Hände wuschen. Das Risiko, durch die bakteriell verunreinigten Hände eines Arztes zu sterben, sank auf fast Null. Allerdings machte sich der Arzt Ignaz Semmelweis mit dieser lebensrettende Erkenntnis 1850 nicht sehr viele Freunde. Es dauerte Jahre bis Ärzte diese Erkenntnis akzeptiert hatten: Nämlich Frauen mit ihren eigenen Händen lebensbedrohlichen Risiken ausgesetzt zu haben.
Die wissenschaftliche Debatte kreist mittlerweile nur noch um die Pole Alarmismus und Verharmlosung. Die Corona-Pandemie und ihre gescheiterte Aufarbeitung ist ein Menetekel für diese Entwicklung. Eine erkenntnistheoretisch fundierte wissenschaftliche Praxis muss alle Hypothesen prüfen, die zur Erklärung eines beobachteten Phänomens in Frage kommen. Daran orientiert sich die Sokrates-Gruppe. Erfolgt das nicht oder nur unzureichend, sind die getroffenen Aussagen oder Schlussfolgerungen wertlos oder sogar schädlich.
Die Feinstaub- und Stickoxiddiskussion ist hier ein besonders deutliches Beispiel. In diesem Vortrag fasst Dieter Köhler seine Erkenntnisse über die gesundheitlichen Risiken von Feinstaub und Stickoxide jenseits von Alarmismus und Verharmlosung zusammen.
SARS-CoV2: Verbreitung via Aerosol
Anfang 2020 überfiel ein neues bis dato unbekanntes Virus, SARS-CoV2, die Welt und verbreitete sich rasant. Die ursprüngliche Wuhan-Variante zeichnete sich durch im Vergleich zu heutigen Varianten langsame Infektionsgeschwindigkeit aber eine große Aggressivität aus, die viele Menschenleben kostete. Mit jeder neuen Variante nahm die Infektiosität zu-, aber die Aggressivität ab. Damit hatte auch dieses Virus zumindest bis jetzt den typischen Weg für sein
Überleben eingeschlagen.
Autoren:
Dr. med. Thomas Hausen
Dr. Gerhard Scheuch
"Wir müssen aus den Fehlern lernen" - Gegen Corona impfen? Tests machen? Das hält Professor Dr. Dieter Köhler für unnötig
Zeitung für Schmallenberg vom 04.12.2024
von Katharina Kalejs
"Wir müssen aufhören, Angst davor zu haben, krank zu werden“, sagt Professor Dr. Dieter Köhler aus Winkhausen, Lungenfacharzt und ehemaliger ärztlicher Direktor des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft.
Titel Nach der Pandemie ist vor der Pandemie Frage
Lehren aus der COVID-19-Pandemie ziehen
Vor Kurzem haben Ärzte und Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtun- gen ein Papier veröffentlicht, in dem sie die Maßnahmen während der COVID- 19-Pandemie aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse bewerten. Dr. med. Thomas Hausen, Hausarzt und einer der Unterzeichner der Stellungnahme, fasst die wichtigsten Punkte im Gespräch mit dem Allgemeinarzt zusammen.
Verlorene Jahrzehnte – zurück zum paternalistischen Gesundheitssystem. Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Epidemie-Managements auf die Gesundheitsversorgung Cicero Online, Teil 1-3
Zehn Thesen zur Aufarbeitung der Corona-Krise (Teil 1-3)
Im Zuge der Corona-Pandemie ist es zu den stärksten Freiheitseinschränkungen in Nicht-Kriegszeiten gekommen, während das deutsche Gesundheitssystem um Jahrzehnte zurückgeworfen wurde. Für Cicero formuliert Professor Matthias Schrappe, Internist und Gesundheitsökonom, zehn Thesen zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie. Wir veröffentlichen sie in drei Folgen. Die erste lesen Sie hier.
VON MATTHIAS SCHRAPPE am 30. November 2022
Mehr erfahren: PDF: Download
Veröffentlichte Bücher

So erreichen Sie uns
Sie können die Beiträge, unter Einhaltung rechtlicher, urheberrechtlicher und ethischer Regeln, gerne kommentieren oder selber Beiträge erstellen. Lesen Sie dazu unsere Richtlinien.
Beiträge und Kommentare senden Sie bitte an die folgende E-Mail: info@sokrates-ev.de oder nutzen Sie das Kontaktformular.
Aktuelle wissenschaftliche Publikation
Kritisch-rationale Bewertung der Impfungen gegen
Influenza und Covid-19
(Kurzfassung)
Publikationsdatum: 15. April 2026
Autoren
Prof. Dr. med. Dieter Köhler (ehemaliger Direktor, Klinikum Kloster Grafschaft, Schmallenberg)
Dr. med. Thomas Voshaar (Vorsitzender des Verbandes Pneumologischer Kliniken e.V.; ehem. Chefarzt, Lungen- und Thoraxzentrum Moers)
Prof. Dr. med Dominic Dellweg (Direktor der Klinik für Innere Medizin, Pneumologie und Gastroenterologie, Pius-Hospital Oldenburg)
Dr. med. Peter Haidl (ehem. Direktor, Krankenhaus Kloster Grafschaft, Schmallenberg
Dr. med. Patrick Stais, LL.M., MHBA. Niedergelassener Lungenfacharzt Praxis Kevelaer
Prof. Dr. Peter M. Wiedemann. Psychologe. Monash-University, Melbourne, Adjunct Professor
Dr. med. Thomas Hausen (Hausarzt im Ruhestand)
Dr. phil. nat. Gerhard Scheuch (Physiker mit Schwerpunkt Aerosolmedizin
Priv. Doz. Dr. Andreas Edmüller (Philosophie, LMU München))
Prof. Dr. rer. nat. Gerd Antes (Mathematiker und Medizinstatistiker, Universität Freiburg)
Dr. phil. Andreas F. Rothenberger, Fürstenfeldbruck (Philosoph und Unternehmer)
Grundlagen zu Impfungen
Impfungen haben eine besondere Bedeutung bei solchen Infektionserkrankungen, die ein hohes Potential für bedrohliche Verläufe haben und für die es keine hinreichend wirksame und gut verträgliche Therapie oder medikamentöse Prophylaxe gibt. Grundsätzlich müssen Wirkung und Nebenwirkungen jeder Impfung abgewogen werden gegenüber Wirksamkeit, Nebenwirkung und Verfügbarkeit medikamentöser Therapien oder Prophylaxen.
Neben diesen vor allem auf die Einzelperson fokussierten Indikationen gibt es aber auch epidemiologische Aspekte bei den Impfindikationen, um beispielsweise eine Epidemie oder Pandemie zu verhindern oder einzudämmen. Daneben gibt es auch sozioökonomische Aspekte, die zum Beispiel die Zahl der Krankheitstage durch eine Infektionserkrankung berücksichtigen.
Aus diesen Gründen stellen sich bei jeder Impfung folgende Fragen:
- Werden Tod und schwere Verläufe signifikant reduziert
- Wird das Angehen einer Infektion komplett verhindert
- Wird die Übertragungsrate (Ansteckung) reduziert
Da die meisten Infektionserreger nicht für alle Menschen gleichermaßen gefährlich sind und es viele Menschen mit immunmodulierenden Therapien im Sinne eines erhöhten Risikos für Infektionen und schwere Verläufe gibt, stellt sich immer die Frage, welche Gruppe von Menschen besonders von einer Impfung profitiert. Eine Wirksamkeitsanalyse kann daher nur unter Beschreibung von Alterskohorten und besonderen Risikogruppen erfolgen.
Im Prinzip enthalten alle Impfstoffe eines der folgenden Antigene oder stimulieren die Synthese eines Antigens:
- Lebendimpfstoffe. Abgeschwächte, aber noch vermehrungsfähige Viren (z.B. gegen Polio, Masern oder Röteln).
- Proteinbasierte Impfstoffe. Inaktivierte Viren oder Virusbestandteile (z.B. gegen Influenza)
- Toxine, die von Bakterien oder Viren synthetisiert werden (z.B. gegen Diphterie oder Tetanus).
- Vektorimpfstoffe. Gentechnisch veränderte Viren, die nicht mehr vermehrungsfähig sind, regen in den Zellen die Synthese der wichtigsten Antigene gegen einen Erreger an. Die starke immunogene Wirkung erzeugt mehr Nebenwirkungen als die obigen Impfvarianten.
- mRNA -Impfstoffe. Gentechnisch modifizierte mRNA wird in die Zellen eingeschleust, um dort das gewünschte Virusantigen zu synthetisieren. DNA-Impfstoffe (meist Plasmide) sind ebenfalls möglich, derzeit in Europa nicht zugelassen.
Studien zur Wirksamkeitsmessung von Impfungen
Es gibt zahlreiche Arten von Studien, um eine bestimmte Therapie bzw. Impfung zu bewerten.
Beobachtungs- & Kohortenstudien
Diese Studienart dient der Feststellung von Korrelationen. Innerhalb einer konkreten und unveränderlichen Gruppe von Individuen, die alle ein bestimmtes Merkmal aufweisen, wird beobachtet, mit welchen anderen Merkmalen dieses zusammen auftritt. Wenn man dies über einen längeren Zeitraum beobachtet, spricht man von einer Längsschnittstudie, wenn man dies nur für einen bestimmten Moment wissen will, von einer Querschnittsstudie. Werden Beobachtungen aus verschiedenen Kohortenstudien miteinander verglichen, spricht man von Kontrollstudien, und wenn eine Kohorte unter permanenter Beobachtung steht, nennt man dies „prospektiv“.
Um die Vergleichbarkeit zu erhöhen, werden Untergruppen nach bestimmten Parametern wie Alter, Geschlecht, Bildungsstand u.Ä. gebildet und miteinander verglichen. Das größte Problem aller Beobachtungsstudien ist der Umstand, dass Menschen nicht im Labor mit einigen wenigen eindeutigen Merkmalen bzw. Eigenschaften konstruiert und gehalten werden, sondern neben den beobachteten Merkmalen noch viele weitere besitzen, die möglicherweise unbemerkt das festgestellte Ergebnis beeinflusst haben (z.B. Rauchverhalten oder generell gesündere Lebensweise). Jede Beobachtungsstudie läuft somit Gefahr, solche Störfaktoren (sog. „Confounder“) zu übersehen, selbst wenn es statistische Verfahren gibt, diese abzuschätzen, Bei starken, nicht erfassten Confoundern, kann im schlimmsten Fall eine Beobachtungsstudie dadurch nicht nur verzerrt, sondern auch unsinnigen und komplett falschen Ergebnissen führen. Man darf daher nie vergessen, dass Beobachtungsstudien ausschließlich zur Feststellung von Korrelationen dienen, und niemals zur Feststellung von Kausalzusammenhängen oder sogar als deren Beweis herangezogen werden dürfen!
Test-Negativ-Design (TND) Studien
Personen mit passenden Symptomen, die von sich aus einen Arzt aufsuchen, werden auf eine bestimmte Krankheit getestet. Wenn die Anzahl der Geimpften in der Gruppe der positiv getesteten signifikant geringer ist als in der Gruppe der negativ getesteten, so geht man davon aus, dass die Impfung Wirkung zeigt.
Randomisiert kontrollierte Studien (RCT)
RCTs sind die aktuell beste Studienart, um die Wirksamkeit einer Impfung zu eruieren. Durch Zufallsverteilung werden zwei Gruppen gebildet, von denen eine mit Wirkstoff und die andere mit Placebo geimpft wird, wobei Geimpfter sowie Impfender nicht wissen, welcher Gruppe sie
angehören. Es hat sich allerdings gezeigt, dass die Ergebnisse von RCTs die Wirksamkeit einer Impfung wahrscheinlich zu gering abbilden, weil der Prozentsatz der Gesundheitsbewussten (Personen, die generell einen gesünderen Lebensstil pflegen), die an einer Studie teilnehmen, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung höher ist. Darüber hinaus nehmen Risiko-Patienten oder Schwangere praktisch nie an solchen Studien teil.
Influenzaimpfung
Seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts gibt es Influenzaimpfungen, weswegen die Datenlage hervorragend ist. Alle Arten von Studien wurden in vielfacher Auflage durchgeführt, wobei sich die Ergebnisse von RCTs und TNDs nicht relevant unterschieden und als valide gelten dürfen. Lediglich reine Beobachtungsstudien zeigten im Vergleich zu RCTs wieder ihre übliche Schwäche, sodass die unterschiedliche Lebensführung von Impfwilligen im Vergleich zu Impfunwilligen die Ergebnisse verzerren. Dieser Confounder ist sehr schwerwiegend und muss zwingend bei Studien zur Wirkung von Impfungen berücksichtigt werden.
Ab den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde viel mit „Big Data“ experimentiert, weil man vermutete, dass man mit der Skalierung der schieren Größe an Daten aus unterschiedlichen Studien auch die Ergebnisse skalieren und damit validieren könnte. Es konnte jedoch mathematisch nachgewiesen werden, dass bei Big Data die Störgrößen bzw. Confounder schneller wachsen als die gesuchten Signale, weswegen man an epistemisch einwandfreien Einzelstudien als bester Datenbasis nicht vorbeikommt. Wenn die Datenbasis einzelner Studien jedoch höchsten erkenntnistheoretischen Ansprüchen genügt, liefern Metaanalysen dieser Studien durchaus seriöse und belastbare Ergebnisse.
Bezüglich der Influenzaimpfung gilt es als gesichert, dass eine Impfung die Infektionswahrscheinlichkeit im Folgejahr um ca. 50% reduziert; bezogen auf die Gesamtbevölkerung sprechen wir hier von einer absoluten Risikoreduktion von ca. 2% auf 1%. Auf die Mortalität sowie die Weitergabe der Viren zeigt eine Impfung jedoch nur geringe positive Effekte, die nur grenzwertig statistisch signifikant werden. Insgesamt verlaufen die Infektionen in der Regel deutlich milder als ohne Impfung.
Eine Erhöhung der Impfdosis führt bis zu einem gewissen Grad zu einer Erhöhung der Antikörper, danach tritt ein Sättigungseffekt ein, jedoch steigt auch die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen signifikant. Boosterimpfungen (Wiederholungsimpfung mit gleichem Impfstoff innerhalb eines kurzen Zeitraums) erzielen keinen positiven Effekt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Influenzaimpfung aus statistischer Sicht für alle Personen unabhängig vom Alter empfehlenswert ist., Der Verlauf einer Influenzainfektion ist bei Hochbetagten zwar oft gravierender, jedoch gibt es immer wieder Influenzapandemien, bei denen jüngere Altersgruppen schwer oder sogar besonders häufig und schwerer betroffen sind (z.B. spanische Grippe Anfang des 20. Jh.). Durch die Nutzung des jährlich angepassten Impfstoffs entwickelt sich eine zunehmend breitere und anhaltende Immunität.
Wahrscheinlich wäre es ausreichend sich nur dann impfen zu lassen, wenn die Influenzaviren bedeutsame Veränderungen der Oberflächenproteine aufweisen (Antigen-Shift). Das allerdings ist in der Breite nicht praktikabel.
Coronaimpfung
Die Studienlage zu den Coronaimpfstoffen ist primär aus vier Gründen als defizitär zu bewerten, selbst wenn aufgrund des politisch-gesellschaftlichen Drucks sowie hoher Profitchancen für die Pharmaindustrie in den letzten Jahren immens viele Studien zu Coronaimpfstoffen durchgeführt wurden, und die Anzahl der diesbzgl. Publikationen bereits die Anzahl der Publikationen zu Influenzaimpfstoffen übersteigt.
- Aufgrund der zeitlichen Situierung existieren keine Daten aus Langzeitstudien, bzw. liegen ggf. erst später vor.
- Starker Confounder: Doppelinfektionen mit Corona- & Influenza-Viren sind nahezu nicht dokumentiert worden, sodass unklar ist, inwiefern bei Menschen, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren und einen schweren bzw. letalen Krankheitsverlauf durchlebten, der Coronavirus und/oder der Influenzavirus dafür verantwortlich war.
- Der Impfstatus von hospitalisierten, mit SARS-CoV-2 infizierten Personen wurde in Deutschland erst ein Jahr nach Einführung der Impfung in Deutschland erfasst.
- Die Effizienz der Impfung wurde in vielen Studien allein über die Höhe des Blutspiegels der neutralisierenden Antikörper bestimmt. Daraus lassen sich keine validen Schlüsse zur klinischen Wirksamkeit der Impfung ableiten. Die immunologische Virus-Abwehr ist lokal und systemisch wesentlich komplexer als dass man sie allein auf eine Teilmenge der Antikörper reduzieren könnte.
Die Daten der hochwertigeren Zulassungsstudien Mitte 2020 bis Beginn 2021 zeigen, dass mRNA- und Vektor-Impfstoffe die Schwere des Verlaufs – und damit auch die Letalität – einer Covid-19-Erkrankung reduzierten. Proteinbasierte Impfstoffe waren gering weniger wirksam, hatten aber auch weniger Nebenwirkungen. Danach war das nicht mehr sichtbar, was an der deutlich abnehmenden Virulenz infolge Mutationen des SARS-CoV-2 lag. Die während der Pandemie registrierte Mortalität der infizierten Personen war in hohem Maße altersabhängig und eindeutig mit dem Alter ansteigend. Eine relevante Mortalität wurde (immunsuppressiv behandelte jüngere Menschen ausgenommen) praktisch erst ab einem Lebensalter von 60 bis 65 Jahren beobachtet.
Diese Tatsache zeigt sehr eindrucksvoll, dass die Frage nach der Risikogruppe primär ist für alle Maßnahmen und eben auch für eine Impfempfehlung sowie für die Fokussierung von Studien.
Die Nebenwirkungen der neuartigen Impfstoffe sind nicht unerheblich. So wurde der Impfstoff Vaxzeviria von AstraZeneca 2024 vom Markt genommen, weil er u.a. zu gehäuft auftretenden Hirnvenenthrombosen führte, und bei Spikevax von Moderna kam es nach der zweiten Impfung gehäuft zu Herzmuskelentzündungen bei jungen Menschen. Da Covid-19 jedoch auch zu diesen Erkrankungen führen kann und nicht immer festgestellt wurde, ob beim Auftreten dieser Erkrankungen eine vorangehende Coronainfektion vorlag, ist eine eindeutige Zuordnung schwierig. Dauerhaft eingerichtete prospektive Kohortenstudien könnten hier für Klarheit sorgen.
Boosterimpfungen mit gleichem Impfstoff führten nach der aktuellen Datenlage zu keinem besseren Impfschutz. Mit der Zahl der Wiederholungsimpfungen scheint sogar die Infektionsrate eher wieder zu steigen, was zum Teil auch immunologisch plausibel erscheint.
Aktuell ist die Mortalitätsrate durch die vorherrschenden Coronaviren äußerst gering und es gibt keine validen Daten, dass wiederholte Impfungen mit angepassten Corona-Impfstoffen unter epidemiologischen, sozioökonomischen oder individuellen Gesichtspunkten sinnvoll sind. Daneben, und dies ist hochrelevant nach unserer Einschätzung, gibt es zahlreiche sehr gut begründete und bisher nicht beantwortete Fragen zu Nebenwirkungen der mRNA- und Vektorbasierten Impfstoffe. Grundsätzlich haben diese den Nachteil, dass sie den natürlichen Infektionsweg der Viren nicht imitieren, so dass Teile der Immunabwehr (insbesondere in den Schleimhäuten) nicht aktiviert werden. So können wir entgegen der Meinung der STIKO zum aktuellen Zeitpunkt keine Empfehlung für eine Coronaimpfung aussprechen.
